Natura 2000 und Managementplanung

Das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 dient dem Erhalt von Lebensräumen und Arten und damit der langfristigen Sicherung der biologischen Vielfalt innerhalb der Europäischen Union. Dieses weltweit größte Schutzgebietsnetz bezieht die unterschiedlichen Landschaften Europas ein und sichert Korridore für wandernde oder ziehende Tierarten im dicht besiedelten Europa.

Das Netz setzt sich aus FFH-Gebieten (Fauna - Tierwelt, Flora - Pflanzenwelt, Habitat - Lebensraum) und Vogelschutzgebieten (SPA = Special - Besondere, Protected - Schutz, Area-Gebiete) zusammen. Innerhalb des Naturparks Nuthe Nieplitz wurden 10 FFH - Gebiete ausgewiesen. Zwei dieser FFH-Gebiete sind zugleich SPA-Gebiet.

Die Gebietsgrenzen und Erhaltungsziele wurden in Naturschutzgebietsverordnungen aufgenommen oder durch Erhaltungszielverordnungen bekanntgegeben. Den Link zu den Naturschutzgebietsverordnungen oder Erhaltungszielverordnungen finden Sie unter dem jeweiligen FFH-Gebiet.

Zur Festlegung gebietsspezifischer Erhaltungsmaßnahmen für die Lebensraumtypen und Arten der Anhänge I und II der FFH-Richtlinie und für weitere naturschutzfachlich besonders bedeutsame Bestandteile wurden im Naturpark für alle FFH-Gebiete bis 2016 sogenannte „Managementpläne“ erstellt. Den Link zu den Managementplänen finden Sie unter dem jeweiligen FFH-Gebiet.

FFH-Gebiet Dobbrikower Weinberg (6,14 ha)

Blick vom Weinberg (Foto: Thomas Chrobock)
Blick vom Weinberg (Foto: Thomas Chrobock)

Auf dem einst terrassierten Hang wurde von den Zisterziensermönchen bis ins 18. Jahrhundert Wein angebaut.

Heute zeichnet sich das ca. 6 ha kleinflächige FFH-Gebiet durch ein herausragendes Pflanzeninventar aus, wie es in Mittelbrandenburg nur noch selten anzutreffen ist. Auch europaweit sind die basenreichen Halbtrockenrasen selten. Hier wachsen mehr als 100 Pflanzenarten, darunter 28 Pflanzenarten der Roten Liste (RL) von Brandenburg und Deutschland , wie z.B. die Goldhaaraster (Aster linosyris), die Graue Skabiose (Scabiosa canescens), der Hügel-Meier (Asperula cynanchica) oder der Blutrote Storchschnabel (Geranium sanguineum).

Der südexponierte Hang mit den kalkreichen Sandtrockenrasen und der ehemaligen Weinterrasse bietet einen optimalen Lebensraum für an trocken-warme Standorte angepasste Tierarten der Hautflügler (Bienen, Wespen, Hummeln), Springschrecken (Grillen, Grashüpfer), Käfer, Schmetterlinge und Reptilien.

Als FFH-Art des Anhang IV der FFH-RL kommt die Zauneidechse (Lacerta agilis) vor. Für die lichtliebenden Pflanzen wird der Hang durch Landschaftspflege offengehalten und aufwachsende Baum- und Straucharten entfernt.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

 

FFH-Gebiet „Nuthe, Hammerfließ und Eiserbach (815 ha)

Fischotter (Foto: Dr. Rainer Zelinski)
Fischotter (Foto: Dr. Rainer Zelinski)

Das FFH-Gebiet „Nuthe, Hammerfließ und Eiserbach“ umfasst repräsentative Teile des Fließgewässersystems der Nuthe und des Baruther Urstromtals.

Im Naturpark Nuthe-Nieplitz befindet sich der Fließgewässerabschnitt der Nuthe von Saarmund bis südwestlich von Luckenwalde mit seinen fließbegleitenden Biotopen.

Das FFH-Gebiet wird auf rund 22 % der Fläche von FFH-Lebensraumtypen eingenommen. Den größten Flächenanteil bilden die fließgewässerbegleitenden Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (LRT91E0) sowie die Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder (LRT 9160). Bis auf wenige Fließgewässerabschnitte wurden alle Abschnitte der Nuthe, des Hammerfließes und des Eiserbachs dem Lebensraumtyp Flüsse der planaren bis montanen Stufe (LRT 3260) zugeordnet. Kleinflächig wurden Binnendünen (LRT 2330), alte bodensaure Eichenwälder (LRT 9190), natürliche eutrophe Seen (LRT 3150) sowie feuchte Hochstaudenfluren (LRT 6430) erfasst.

Als Arten der FFH-Richtlinie wurden im Bereich des FFH-Gebietes Fischotter, Biber und Großer Heldbock nachgewiesen.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet Seddiner Heidemorre und Düne (21,2 ha)

Rundblättriges Sonnentau (Drosera rotundifolia)(Foto: Katrin Greiser, Naturparkverwaltung)
Rundblättriges Sonnentau (Drosera rotundifolia)(Foto: Katrin Greiser, Naturparkverwaltung)

Das FFH-Gebiet „Seddiner Heidemoore und Düne“ besteht aus 5 Teilflächen. Die Besonderheit des FFH-Gebietes liegt in dem Vorkommen der sauren, nährstoffarmen Kessel- und Versumpfungsmoore, die sich während der letzten Eiszeit in ehemaligen Toteislöchern innerhalb einer eiszeitlichen Rinne gebildet haben. Hervorzuheben ist der Lebensraumtyp der „Übergangs – Schwingrasenmoore“ mit einem Torfmoos – Seggen – Wollgrasried und mit Torfmoos – Schwingrasen und Schlenken.

An den Rändern der eiszeitlichen Rinne sind vereinzelt Dünensande abgelagert. Diese bilden im Ostteil des FFH-Gebietes eine ausgeprägte Binnendüne, die mit einem Flechten-Kiefernwald bestanden ist.

Mit der Vielfältigkeit an Habitatstrukturen hat das Gebiet eine hohe Bedeutung als Lebensraum für an nährstoffarme, trockene als auch feuchte Standorte angepasste Tierarten, wie z. B. der Libellen, Käfer, Spinnen, Schmetterlinge und Reptilien.

Hervorzuheben sind auf die Moore spezialisierte Libellen wie der Kleine Blaupfeil und die Gefleckte Heidelibelle.

 

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet Obere Nieplitz (591 ha)

Obere Nieplitz (Foto: Dr. Rainer Zelinski)
Obere Nieplitz (Foto: Dr. Rainer Zelinski)

 

Das FFH-Gebiet erstreckt sich entlang der Nieplitz mit ihren Nebenflüssen und Gräben von Frohnsdorf über Treuenbrietzen, Beelitz bis nach Zauchwitz.

Die Nieplitz beherbergt seltene Wasserorganismen wie den Rapfen, das Bachneuenauge, die Große Flussmuschel und die Malermuschel. Auch Biber und Fischotter kommen an den Gewässern vor.

Besonders das Quellgebiet der Nieplitz bei Frohnsdorf sowie die Fließgewässerabschnitte mit ihren fließbegleitenden Erlen-Eschenwäldern und Moorwäldern sind in einem naturnahen Zustand.

In weiten Abschnitten wurde der Gewässerlauf in der Vergangenheit begradigt, zahlreiche Staueinrichtungen verhindern die Durchgängigkeit für wassergebundene Organismen. Damit in dem gesamten Gewässerlauf natürlich vorkommende Arten hier wieder eine Chance haben, ist geplant, die ökologische Durchgängigkeit wieder herzustellen sowie durch das Einbringen von Strömungslenkern und Kies sowie das Schaffen von Prallhängen und Flachwasserbereichen eine natürliche Fließgewässerdynamik anzuregen.

Bemerkenswert sind auch die Binnensalzstellen bei Salzbrunn und Schlalach. Sie beherbergen salztolerante Pflanzenarten, wie den Erdbeerklee oder den Strand Dreizack, die für den Lebensraumtyp charakteristisch und zum Teil selten sind.

 

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet Seeluch-Priedeltal (151,0 ha)

Seeluch Priedeltal (Foto: Peggy Steffenhagen)
Seeluch Priedeltal (Foto: Peggy Steffenhagen)

 

Das FFH-Gebiet „Seeluch-Priedeltal“ besteht aus fünf Teilflächen, die sich zwischen Trebbin und Liebätz befinden. Das Gebiet zeichnet sich durch charakteristische Ausschnitte des Schmelzwassertales der Nuthe und sandig- trockene Endmoränenkuppen aus. Hervorzuheben sind im Gebiet die Vorkommen von großräumig extensiv genutzten Feuchtwiesen, wieder vernässtem Niedermoorgrünland, Röhrichten, ausgedehnten Moorwäldern, Sauer- Zwischenmooren sowie trockenen, kalkreichen Sandrasen und lichten Flechten- Kiefernwäldern.

In den feuchten und nassen Senken wurden als Anhang II Arten der FFH-Richtlinie der Fischotter, der Kammmolch, die Bauchige und Schmale Windelschnecke, der Große Feuerfalter sowie in den Gräben der Schlammpeitzger und der Bitterling nachgewiesen.

Mit hohen Grundwasserständen und späten Mahdterminen bietet das „ Seeluch“ für seltene Vogelarten wie der Bekassine, dem Wiesenpieper und dem Tüpfel- Sumpfhuhn einen geeigneten Lebensraum.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung