Natura 2000 und Managementplanung

Das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 dient dem Erhalt von Lebensräumen und Arten und damit der langfristigen Sicherung der biologischen Vielfalt innerhalb der Europäischen Union. Dieses weltweit größte Schutzgebietsnetz bezieht die unterschiedlichen Landschaften Europas ein und sichert Korridore für wandernde oder ziehende Tierarten im dicht besiedelten Europa.

Das Netz setzt sich aus FFH-Gebieten (Fauna - Tierwelt, Flora - Pflanzenwelt, Habitat - Lebensraum) und Vogelschutzgebieten (SPA = Special - Besondere, Protected - Schutz, Area-Gebiete) zusammen. Innerhalb des Naturparks Nuthe Nieplitz wurden 10 FFH - Gebiete ausgewiesen. Zwei dieser FFH-Gebiete sind zugleich SPA-Gebiet.

Die Gebietsgrenzen und Erhaltungsziele wurden in Naturschutzgebietsverordnungen aufgenommen oder durch Erhaltungszielverordnungen bekanntgegeben. Den Link zu den Naturschutzgebietsverordnungen oder Erhaltungszielverordnungen finden Sie unter dem jeweiligen FFH-Gebiet.

Zur Festlegung gebietsspezifischer Erhaltungsmaßnahmen für die Lebensraumtypen und Arten der Anhänge I und II der FFH-Richtlinie und für weitere naturschutzfachlich besonders bedeutsame Bestandteile wurden im Naturpark für alle FFH-Gebiete bis 2016 sogenannte „Managementpläne“ erstellt. Den Link zu den Managementplänen finden Sie unter dem jeweiligen FFH-Gebiet.

FFH-Gebiet Dobbrikower Weinberg (6,14 ha)

Blütenteppich mit Ährigem Blauweiderich (Foto: Anton Lenig)
Blütenteppich mit Ährigem Blauweiderich (Foto: Anton Lenig)

Auf dem einst terrassierten Hang wurde von den Zisterziensermönchen bis ins 18. Jahrhundert Wein angebaut.

Heute zeichnet sich das ca. 6 ha kleinflächige FFH-Gebiet durch ein herausragendes Pflanzeninventar aus, wie es in Mittelbrandenburg nur noch selten anzutreffen ist. Auch europaweit sind die basenreichen Halbtrockenrasen selten. Hier wachsen mehr als 100 Pflanzenarten, darunter 28 Pflanzenarten der Roten Liste (RL) von Brandenburg und Deutschland , wie z.B. die Goldhaaraster (Aster linosyris), die Graue Skabiose (Scabiosa canescens), der Hügel-Meier (Asperula cynanchica) oder der Blutrote Storchschnabel (Geranium sanguineum).

Der südexponierte Hang mit den kalkreichen Sandtrockenrasen und der ehemaligen Weinterrasse bietet einen optimalen Lebensraum für an trocken-warme Standorte angepasste Tierarten der Hautflügler (Bienen, Wespen, Hummeln), Springschrecken (Grillen, Grashüpfer), Käfer, Schmetterlinge und Reptilien.

Als FFH-Art des Anhang IV der FFH-RL kommt die Zauneidechse (Lacerta agilis) vor. Für die lichtliebenden Pflanzen wird der Hang durch Landschaftspflege offengehalten und aufwachsende Baum- und Straucharten entfernt.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

 

FFH-Gebiet „Nuthe, Hammerfließ und Eiserbach (815 ha)

Fischotter (Foto: Dr. Rainer Zelinski)
Fischotter (Foto: Dr. Rainer Zelinski)

Das FFH-Gebiet „Nuthe, Hammerfließ und Eiserbach“ umfasst repräsentative Teile des Fließgewässersystems der Nuthe und des Baruther Urstromtals.

Im Naturpark Nuthe-Nieplitz befindet sich der Fließgewässerabschnitt der Nuthe von Saarmund bis südwestlich von Luckenwalde mit seinen fließbegleitenden Biotopen.

Das FFH-Gebiet wird auf rund 22 % der Fläche von FFH-Lebensraumtypen eingenommen. Den größten Flächenanteil bilden die fließgewässerbegleitenden Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (LRT91E0) sowie die Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder (LRT 9160). Bis auf wenige Fließgewässerabschnitte wurden alle Abschnitte der Nuthe, des Hammerfließes und des Eiserbachs dem Lebensraumtyp Flüsse der planaren bis montanen Stufe (LRT 3260) zugeordnet. Kleinflächig wurden Binnendünen (LRT 2330), alte bodensaure Eichenwälder (LRT 9190), natürliche eutrophe Seen (LRT 3150) sowie feuchte Hochstaudenfluren (LRT 6430) erfasst.

Als Arten der FFH-Richtlinie wurden im Bereich des FFH-Gebietes Fischotter, Biber und Großer Heldbock nachgewiesen.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet Saarmunder Berg (76,6 ha)

Besenheide am Saarmunder Berg (Foto: Rita Maschke)
Besenheide am Saarmunder Berg (Foto: Rita Maschke)

Die Entstehung der Saarmunder Heideflächen ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Vermutlich wurde der in der Karte von 1903 dargestellte Nadelwald für die Bau- und Brennholznutzung abgeholzt und die Flächen anschließend beweidet. Denkbar ist auch ein Abtrag der Vegetation mit samt dem Oberboden für Brennmaterial und als Streu für Stallungen.

Charakteristisch für das Gebiet sind Besenheideflächen im Verbund mit silbergrasreichen Trockenrasen und freien Sandflächen, die europaweit selten vorkommen. In diese Lebensräume ziehen sich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zurück, die auf Nährstoffarmut und trocken - warme Standorte angewiesen sind, wie beispielsweise die Astlose Graslilie, die Blauflüglige Ödlandschrecke, der Bienenwolf oder die Zauneidechse. Neben den FFH-Lebensraumtypen kommen weiter Eichen-Vorwald und Trockenrasenstandorte verschiedener Ausprägung vor.

Die Heideflächen würden ohne Nutzung zuwachsen. Seit mehreren Jahren wurden und werden intensive biotopeinrichtende Maßnahmen durchgeführt wie Gehölzentnahme, Beweidung, kontrolliertes Flämmen und Mahd. Durch die Pflegemaßnahmen wird ein Zuwachsen der Offenlandstandorte verhindert sowie den Flächen Nährstoffe entzogen. Gleichzeitig wird die Verholzung der Besenheide-sträucher verzögert, so dass die Heide länger blühen kann.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet Seddiner Heidemorre und Düne (21,2 ha)

Rundblättriges Sonnentau (Drosera rotundifolia)(Foto: Katrin Greiser, Naturparkverwaltung)
Rundblättriges Sonnentau (Drosera rotundifolia)(Foto: Katrin Greiser, Naturparkverwaltung)

Das FFH-Gebiet „Seddiner Heidemoore und Düne“ besteht aus 5 Teilflächen. Die Besonderheit des FFH-Gebietes liegt in dem Vorkommen der sauren, nährstoffarmen Kessel- und Versumpfungsmoore, die sich während der letzten Eiszeit in ehemaligen Toteislöchern innerhalb einer eiszeitlichen Rinne gebildet haben. Hervorzuheben ist der Lebensraumtyp der „Übergangs – Schwingrasenmoore“ mit einem Torfmoos – Seggen – Wollgrasried und mit Torfmoos – Schwingrasen und Schlenken.

An den Rändern der eiszeitlichen Rinne sind vereinzelt Dünensande abgelagert. Diese bilden im Ostteil des FFH-Gebietes eine ausgeprägte Binnendüne, die mit einem Flechten-Kiefernwald bestanden ist.

Mit der Vielfältigkeit an Habitatstrukturen hat das Gebiet eine hohe Bedeutung als Lebensraum für an nährstoffarme, trockene als auch feuchte Standorte angepasste Tierarten, wie z. B. der Libellen, Käfer, Spinnen, Schmetterlinge und Reptilien.

Hervorzuheben sind auf die Moore spezialisierte Libellen wie der Kleine Blaupfeil und die Gefleckte Heidelibelle.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet Obere Nieplitz (591 ha)

Obere Nieplitz (Foto: Dr. Rainer Zelinski)
Obere Nieplitz (Foto: Dr. Rainer Zelinski)

Das FFH-Gebiet erstreckt sich entlang der Nieplitz mit ihren Nebenflüssen und Gräben von Frohnsdorf über Treuenbrietzen, Beelitz bis nach Zauchwitz.

Die Nieplitz beherbergt seltene Wasserorganismen wie den Rapfen, das Bachneuenauge, die Große Flussmuschel und die Malermuschel. Auch Biber und Fischotter kommen an den Gewässern vor.

Besonders das Quellgebiet der Nieplitz bei Frohnsdorf sowie die Fließgewässerabschnitte mit ihren fließbegleitenden Erlen-Eschenwäldern und Moorwäldern sind in einem naturnahen Zustand.

In weiten Abschnitten wurde der Gewässerlauf in der Vergangenheit begradigt, zahlreiche Staueinrichtungen verhindern die Durchgängigkeit für wassergebundene Organismen. Damit in dem gesamten Gewässerlauf natürlich vorkommende Arten hier wieder eine Chance haben, ist geplant, die ökologische Durchgängigkeit wieder herzustellen sowie durch das Einbringen von Strömungslenkern und Kies sowie das Schaffen von Prallhängen und Flachwasserbereichen eine natürliche Fließgewässerdynamik anzuregen.

Bemerkenswert sind auch die Binnensalzstellen bei Salzbrunn und Schlalach. Sie beherbergen salztolerante Pflanzenarten, wie den Erdbeerklee oder den Strand Dreizack, die für den Lebensraumtyp charakteristisch und zum Teil selten sind.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet Seeluch-Priedeltal (151,0 ha)

Seeluch Priedeltal (Foto: Peggy Steffenhagen)
Seeluch Priedeltal (Foto: Peggy Steffenhagen)

Das FFH-Gebiet „Seeluch-Priedeltal“ besteht aus fünf Teilflächen, die sich zwischen Trebbin und Liebätz befinden. Das Gebiet zeichnet sich durch charakteristische Ausschnitte des Schmelzwassertales der Nuthe und sandig- trockene Endmoränenkuppen aus. Hervorzuheben sind im Gebiet die Vorkommen von großräumig extensiv genutzten Feuchtwiesen, wieder vernässtem Niedermoorgrünland, Röhrichten, ausgedehnten Moorwäldern, Sauer- Zwischenmooren sowie trockenen, kalkreichen Sandrasen und lichten Flechten- Kiefernwäldern.

In den feuchten und nassen Senken wurden als Anhang II Arten der FFH-Richtlinie der Fischotter, der Kammmolch, die Bauchige und Schmale Windelschnecke, der Große Feuerfalter sowie in den Gräben der Schlammpeitzger und der Bitterling nachgewiesen.

Mit hohen Grundwasserständen und späten Mahdterminen bietet das „ Seeluch“ für seltene Vogelarten wie der Bekassine, dem Wiesenpieper und dem Tüpfel- Sumpfhuhn einen geeigneten Lebensraum.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet Rauhes Luch (111,66)

Übergangs- und Schwingrasenmoor mit Scheidigem Wollgras im Rauhen Luch (Foto: Peggy Steffenhagen)
Übergangs- und Schwingrasenmoor mit Scheidigem Wollgras im Rauhen Luch (Foto: Peggy Steffenhagen)

 

Das FFH – Gebiet „Rauhes Luch“ umfasst zwei Verlandungsmoore (Rauhes Luch und Porathenluch) und ein Kesselmoor (Blankes Luch), die von Nadelforsten umgeben sind. Der Moorkomplex ist das Ergebnis von Verlandungsprozessen in wassergefüllten Toteishohlformen bzw. in von Inlandeis ausgeformten Senken der letzten Vereisung, der Weichseleiszeit.

Die Sauer-Zwischenmoore wurden weitestgehend dem FFH-Lebensraumtyp der „Übergangs- und Schwingrasenmoore“ zugeordnet. Weiterhin wurden die FFH Lebensraumtypen Moorwälder und Dystrophe Seen kartiert. Die Moore beherbergen seltene und bedrohten Pflanzenarten wie Rundblättriger Sonnentau, Weißes Kopfried, Scheidiges Wollgras. Besonders hervorzuheben ist die vielfältige Moosflora mit insgesamt 55 nachgewiesenen Arten. Auf den Bulten kommen charakteristische Zwergsträucher wie Moosbeere und Rosmarienheide vor. Aufgrund der Habitatstrukturen und des Arteninventars lässt sich der Erhaltungszustand der Übergangs- Schwingrasenmoore nur noch im Zentrum des Rauhen Luchs und im östlichen Bereich des Blanken Luchs mit „gut“ bewerten. Ein Großteil der Moorvegetation ist aufgrund sinkender Grundwasserstände gestört.

Von Arten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie wurden im Gebiet der Moorfrosch und 9 Fledermausarten nachgewiesen.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet Zarth (260,74)

Erlenbruch im Zarth (Foto: Rainer Zelinski)
Erlenbruch im Zarth (Foto: Rainer Zelinski)

Der Zarth stellt ein Quell- und Durchströmungsmoor dar, welches durch Druckwasseraustritt an den südlichen Randbereichen des ausstreichenden Flämings gespeist wird.

Das FFH-Gebiet „Zarth“ ist durch naturnahe Stieleichen-Hainbuchenwälder, Erlen- Eschenwälder und Birken-Moorwälder gekennzeichnet, die zusammen mit dem kalkreichen Pfeifengraswiesen mit Anteilen der Kalkbinsengesellschaft, Feuchtwiesen und Seggenrieden, Torfstichen und naturnahen Fließgewässern ein einzigartiges Landschaftsmosaik bilden.

Der häufige Wechsel von Wald, Gebüsch, Wiese, Moor, Sumpf und offenen Wasserflächen ist der Grund für seine große Artenvielfalt. Im Bereich des FFH-Gebietes „Zarth“ konnten 13 Fledermausarten festgestellt werden, die das Gebiet als Quartiergebiet und als Jagdgebiet nutzten. Auch hinsichtlich der Avi-Fauna weist der „Zarth“ mit über 90 verschiedenen Brutvogelarten einen hohen Artenreichtum auf. Aufgrund des Reichtums an nassen und feuchten Standorten bietet der Zarth Lebensraum für eine Vielzahl von Amphibien, wie z. B. den Moorfrosch.

Erhaltungszielverordnung

Managementplanung

FFH-Gebiet und SPA Nuthe-Nieplitz-Niederung (5584,56 ha)

Kranichflug (Foto: Dr. Rainer Zelinski)
Kranichflug (Foto: Dr. Rainer Zelinski)

Das FFH-Gebiet „Nuthe-Nieplitz-Niederung“ reicht vom Berliner Autobahnring (A 10) im Norden bis zur Ortschaft Dobbrikow im Süden und bildet mit einer Größe von rund 5600 ha das Kernstück des Naturparks Nuthe Nieplitz. Die Niederung gilt als bedeutendes Rast- und Brutgebiet für zahlreiche Vogelarten und wurde deshalb auch als SPA-Gebiet ausgewiesen. Zu dem europäischen Schutzstatus ist das Gebiet außerdem als NSG festgesetzt. Ausgedehnte Niedermoorbereiche und flache Talsande werden hier von weichseleiszeitlich geprägten Stauch- und Endmoränen eingefasst. Prägend sind neben den Fließgewässern (Unterlauf der Nuthe und der Nieplitz, Pfefferfließ) die offenen und zum Teil feuchten Grünlandbereiche, eine Binnensalzstelle, landwirtschaftlich genutzte Felder, Wälder, und die naturbelassenen Stillgewässer. Zu den Stillgewässern gehören u.a. mit dem Blankensee, dem größten See des Naturparks, auch der Riebener See, der Grössinsee, der Schiaßer See und der Gröbener See mit ausgedehnten Schilfgürteln sowie Flachseen wie das Poschfenn und der Fresdorfer See und die nach dem Stilllegen der Schöpfwerke bei Stangenhagen neu entstandenen Flachseen (z. B. der Schwanensee). Vor allem die an relativ hohe Wasserstände gebundenen Biotope wie Feucht- und Frischwiesen, Moore und Bruchwälder gehen mit einer großen Artenvielfalt einher.

Naturschutzverordnung

Managementplan

 

FFH Forst Zinna Jüterbog Keilberg (6761,2 ha)

Düne Jüterbog (Foto: Sebastian Hennigs)
Düne Jüterbog (Foto: Sebastian Hennigs)

Bei dem mit ca. 6700 ha großem FFH-Gebiet handelt es sich um einen ehemaligen Truppenübungsplatz, auf dem durch jahrelange militärische Übungen großflächige Offenlandschaften entstanden sind. Nach Einstellung des Übungsbetriebes 1992 haben sich im Zentrum weiträumige Silbergrasfluren auf Flugsanddünen und Trockene Sandheiden gebildet. In den weiteren Sukzessionsstadien treten Vorwälder trockener Standorte auf. Weiterhin kennzeichnen naturnahe Fließgewässerabschnitte, Quellmoorwald, Erlen-Eschenwald in Bachschluchten, Reste von Stieleichen-Hainbuchenwald und Pfeifengraswiesen das Geiet. Das großflächig unzerschnittene Gebiet mit seinem Mosaik an trockenen und feuchten Standorten bietet zahlreichen Arten, darunter vielen seltenen und zum Teil gefährdeten Arten optimale Lebensbedingungen.

 

Das Gebiet ist als NSG festgesetzt und Bestandteil des SPA-Gebietes „Jüterbog Ost und West“. Im SPA Gebiet wurden insgesamt 134 Vogelarten, davon 33 Arten der Roten Liste von Brandenburg und 20 Arten der Roten Liste Deutschlands erfasst.

Naturschutzverordnung